Restaurieren einer T800

Dem Sammler tat`s das Herz zerreißen, sah er die Pest im Modellbahneisen....so könnte man die Situation beschreiben, wenn man das endgültige Aus einer stolzen, alten Tante feststellen muß. Wie im Artikel über Gußpest beschrieben, sind die befallenen Teile nicht mehr zu retten und man hat Glück, wenn man die gesunden Teile rechtzeitig ausbaut, bevor sie verbogen werden. Aber selbst bei eindeutig positivem Befund (um mal in der Arztsprache zu bleiben) können Teile des Patienten weiterleben und eine sogenannte Organverpflanzung ermöglicht ein Genesen.

Im Herbst 2000 kaufte ich die Überreste einer verpesteten T800. Das Gehäuse war noch in bestem Zustand und sah aus wie neu. Der darin enthaltene Rahmen war angegriffen und hatte schon die Druckluftbehälter und einige Stufen der Leiter zum Führerhaus verloren. Vom Fahrwerk waren die Räder abgefallen und die Puffer lagen lose bei. Das Fahrwerk war in gutem Zustand, der Umschalter original und auch der Motor war o.k. und drehte gut durch.

oben: Da ich einige Wochen zuvor eine verpestete T800 erstanden hatte, bei der das Gehäuse total hinüber war, lag der Gedanke nahe, aus zwei alten Schrottkisten eine funktionsfähige Lok zusammenzubauen, zumal beide T800 genau aus der gleichen Serie waren. Deren Rahmen war in gutem Zustand erhalten und sollte bald wieder was zu tun bekommen. Von der Firma Ritter in Nürtingen bestellte ich als Nachbauteile einen Satz Räder, einen Zylinderblock und die Feder und den Knauf für die Schaltstange des Fahrtrichtungsumschalters. Die Räder sind sogar in Graugußausführung, was der Langlebigkeit sicher zugute kommt. Dann wurde der alte Rahmen lackiert und zusammen mit den Nachbauteilen in den ehemals traurigen Rest der T800 eingebaut. Heraus kam eine schmucke, optisch fast neuwertige T800, bei der lediglich der Zylinderblock, die Räder und Teile der Schaltstange nicht original sind. Ich denke, ein durchaus vertretbarer Kompromiss, zumal sie jetzt ohne Mühe und mit stolzem (Lampen-)Blick die alten Blechgüterwagen durch die Runden zieht. Und irgendwie hat sie ja auch eine Seele...

Oben: In der Plastikbox liegen die abgefallenen Räder und einige Kleinteile, welche sich vom Lokkörper verabschiedet hatten. Der (kluge) Vorbesitzer hatte alles gut aufgehoben. Zum Glück. Der kaputte Rahmen ist noch auf dem Fahrwerk montiert. Das gute Gehäuse und der neu lackierte Rahmen (Airbrush) liegen daneben. Die Puffer sind noch mit Revell Abdecklack versiegelt. Der wird später abgezogen.

Oben: Die Zahnradseite der T800 mit dem Öl Loch. Diese Zahnräder gibt es übrigens auch als Nachbauteile von Ritter.

oben: Die Bürstenseite mit der Aussparung für die Motorbürsten. Die neue Zylindergruppe (Ritter, schwarz lackiert und unlackiert erhältlich) und die Schaltstange sind gut zu erkennen. Die Lackierung des roten Rahmens sieht absolut original aus. Man erkennt den sehr guten Zustand des Bauteiles. Die Räder von Ritter sind perfekt. Das Gehäuse trägt den Original Lack von 1946 !

oben: Die Bürstenseite von schräg hinten. Der Abdecklack ist jetzt entfernt und die Puffer kommen unlackiert zum Vorschein. Man muß sie also nicht extra ausbauen. Der Steg unterhalb der hinteren Kupplung war abgebrochen und wurde durch ein zugefeiltes Messigteil ersetzt. Eine Reparaturstelle ist nicht erkennbar.

Ein schöner Rücken mit dem Märklin Fahrrad. Die Kupplungen waren übrigens nicht verlorengegangen.

Frontansicht mit der Aufschrift "T800" auf der Rauchkammertür.